Fast jedes Jahr nehme ich mir als Ziel vor, eine neue Stadt malerisch zu entdecken. Städte sind für mich als Maler eine der wichtigsten Inspirationen und deshalb immer wieder ein Ansporn.
Als Spiegelbilder der Gesellschaft und Kulturen, in ihrem geschichtlichem Ablauf bis heute sichtbar und spürbar, wirken Städte untereinander so unvergleichlich in ihren jeweiligen Facetten und sind somit ein unerschöpfliches Energiezentrum und Ausgangspunkt für jeweils einen neuen Zyklus und für neu entfachte Kreativität.
Architekturelemente in vielen unterschiedlichen Formen, besonders geprägt durch das Aufeinanderprallen von alt und neu, sind Spannungen, die sich für mich in kreativer Auseinandersetzung entladen. Ich brauche ein Beziehung zur jeweiligen Stadt mir ihren ganzen Umfeldern und Kontrasten, denn es ist nicht das jeweilige Motiv, das ich male, sondern immer wieder die ganze Stadt.
Wie jedesmal, wenn ich in eine für mich neue Stadt fahre, bin ich unsicher, voller Vorurteile und Skepsis und fühle mich eher verloren. Da fällt mir auf, daszlig; ich am Anfang immer wieder den Drang verspüre, die Stadt von oben zu sehen. Ich versuche einen hohen Ausgangspunkt zu erreichen, um alles zu überblicken, in der Skyline, geformt durch Türme, zu lesen, mich zu orientieren. Türme braucht eine Stadt in seiner formalen Gestaltung, sie sind die Handschrift, die sie ureigen und begreifbar macht.
Durch den gewonnenen überblick nehme ich alle neuen Eindrücke und Erlebnisse in sehr langen Wanderungen auf, bis ich das Gefühl verspüre, voll zu sein, gleichsam wie ein Schwamm, der ausgedrückt werden will. Das ist der richtige Zeitpunkt, mit dem Malen anzufangen, gierig zu sein, Aufgesaugtes zu illustrieren. Dieser Prozeszlig; dauert einige Tage, und es ist immer wieder ein wunderbares Gefühl, zum erstem Mal in einer fremden Stadt malen zu können.