Faszinierende Stille im Reich der Dinge

Prof. Wolfgang Graninger

„Der Verführer unserer Augen ist also das umunsherum.
Ihm gibt sich das Auge hin und wird obendrein bezahlt mit wunderbaren Bildern dieser fliessenden vergänglichen Welt, wo keins dem anderen gleicht.“
Horst Janssen (1929-1995)

Stillleben-Aquarelle bewirken in uns eine scheinbare Verlebendigung von Objekten wie Flaschen, Vasen, Schalen, Fundstücke, Kuriositäten et cetera. Das magische Scheinleben lebloser Dinge ist auch ein philosophisch-metaphysisches Thema.

Der 45-jährige Salzburger Maler BERNHARD VOGEL verleiht den zusammengestellten Dingen eine wundersam durchlichtete Atmosphäre.
STAUNEN – GRÜBELN – NACHDENKLICHKEIT – erfasst uns beim Anblick, denn so diesseitig-jenseitig schön sind die kleinen und großformatigen Wasserfarbenbilder.

Für Bernhard Vogel ist es ein neues abgründiges Thema: SEIN UND SCHEIN. Der Stilllebenmaler schenkt den Gegenständen ein zeitloses Scheinleben.

Der deutsche Maler KLAUS FUSSMANN schreibt 1998:
„Wer Stillleben malt, begeht die Nagelprobe, denn hier ist der Maler ganz auf sich selbst gestellt; Die Dinge können ihn nicht retten, töpfe und Flaschen bleiben unscheinbar. Im Stillleben gibt es keine Handlung, keine Erzählung, und es nützen keine surrealen Effekte.“

Wer die Stilllebenserie betrachtet, wird feststellen, dass Bernhard Vogel die oben erwähnte Nagelprobe vorzüglich bestanden hat. Ist es nicht seltsam, dass beim Anblick der Buchbilder der Eindruck entsteht, für die gemalten Objekte gäbe es weder Zeit noch Alterungsprozesse?

Jedes Bild besticht durch köstlich irisierende Scheinrealität. Die künstlerische Ambivalenz zwischen Hier und Dort, Diesseits und Jenseits macht Vogels Stilllebenbilder leuchtend, mystisch, zeitlos.

Für den Künstler sind Stillleben eine nicht unerhebliche Themenerweiterung. Er sagte unlängst, er könne nur dann Stilllleben malen, wenn er unbedingt Lunst dazu verspüre, denn ohne Mallust gäbe es kaum befriedigende Ergebnisse. Die inspirierende Anordnung sorgsam ausgesuchter Objekte ist ebenfalls von Bild zu Bild erforderlich. Die seltsam geheimnisvolle Ausstrahlung toter Dinge ist mitentscheidend, ob sie im Auge des Künstlers Aufnahme findet oder nicht. Nicht alle Buchbilder sind still. Einige gebärden sich lebensprall durch kraftvoll leuchtende Farbakkorde. Vogel´s Lieblingsfarbe Blau - Sympol für seeliche Unendlichkeit - ist in vielen Abbildungen vorherrschend. Die Stilllebenmalerei ist keine grelle Tageskunst. Sie besitzt die Fähigkeit uns nachdenklich zu stimmen. Gehe ich zuweit, wenn ich behaupte, ich sehe darin Grenzzwischenräume zwischen Hier und Dort, Hüben und Drüben ? Mit diesen metaphysischen Ausblicken wünsche ich den Liebhabern von Stillleben viel Freude mit den Werken von Bernhard Vogel.

Wolfgang Graninger, Kunstsammler in Salzburg