Es ist die Sehnsucht, die mich immer wieder antreibt zu malen Bernhard Vogel , 1991
Das Faszinosum Hamburg zieht Aquarellisten, auch aus Österreich, magisch an. Mir ist noch nie ein Mensch begegnet, den Hamburg nicht fasziniert hätte.
Wenn am richtigen Ort und zur rechten Zeit KÖNNEN, PHANTASIE und ORIGINALITÄT sich verbünden, können wunderbare Aquarelle entstehen. Ein gelöstes/erlöstes Aquarell ist immer ein Glücksfall, der sozusagen vom Himmel fällt und Kunstfreunde entzückt.
Etliche solcher Glücksfälle können hier besichtigt werden.
Wenn Wasser zu Wasser, Licht zu Licht, Farbe zu Farbe einander begegnen und sich in Harmonie verbinden, können unversehends kostbare, fragile, lichtempfindliche Originale auch den Künstler selbst beglücken. Es ist immer wieder staunenswert, daß er mit verhältnismäßig wenig Aufwand einen KOSMOS IM KLEINEN nacherschaffen kann.
Der inzwischen allseits bekannte 36jährige Aquarellist aus der Festspielstadt Salzburg möchte mit dieser Werksauswahl der Freien- und Hansestadt Hamburg seine ganz persönliche Reverenz erweisen. Hamburgs Sammlerinnen und Sammler werden mit sicherem Instinkt die "Rosinen" aus dem neuen HAMBURG AQUARELL-REIGEN herauspicken.
Kann man gemalte poetische Gebilde mit hanseatischer Nüchternheit und Gelassenheit erklären?
Alles, was mit Stimmung, Stimmigkeit und Komplexität von Natur und Architektur zu tun hat, kann analysiert, jedoch nicht auf einen Nenner gebracht werden, denn das Wesen des Kunstwerkes entzieht sich beharrlich der Vorherrschaft des Verstandes. Selbst die beste Formenanalyse kommt dem mysteriösen Wesen eines gültigen Kunstwerkes nicht annähernd nahe. Ich denke dabei auch an Formanalysen musikalischer Werke. Sie verstärken in keiner Weise den Hörgenuß. So auch bei Malerei. Vogel-Aquarelle sollte man nicht sezieren, sondern allmählich visuell in sie eindringen und seelisch in Besitz nehmen.
Die plötzlich zupackende Inangriffnahme des in Visier genommenen Motivs - es wird vom Künstler als eine zu erjagende Beute betrachtet - wird auf holzfreiem Büttenpapier zerlegt und malerisch aufbereitet, um später den erwünschten Endzustand zu erreichen. Bei der Erstkonzeption vor der Natur dominiert das hart-männliche Prinzip, bei der Ausarbeitung im Atelier eher das gemüthaft weiblich- empfangende. Die fast saloppe Schärfe der Skizzierung vor Ort bringt als Positivum UNMITTELBARKEIT und GEGENWART ins Bildgeschehen. Farbkonvulsionen umspülen das Gerippe der Binnenzeichnung.
Der verfließende, immer überraschende Farbenzauber ist Vogels ureigenste Stärke.
Ohne zu erröten, kann von einem POETISCHEN GENIE gesprochen werden.
Es muß erwähnt werden: Ich finde es absurd, einen Maler als konservativ zu diskreditieren, nur weil er vor der Natur malt. Naturferne Gedankenkunst allein als avantgardistisch zu bezeichnen, ist schlichtweg anmaßend-dumm. Wer Natur und Städte liebt, wird versuchen sie auf seine Weise ins Bild zu bannen.
Vogel sieht mit heutigen, nicht mit gestrigen oder vorgestrigen Augen. Er ist doch kein Maler, der fortlaufend "Alte Hüte" produziert. Jedes seiner Aquarelle ist eine NEUSCHöPFUNG , niemals Kopie.
Resüme:
Vogel-Aquarelle sind keine voluminösen Ruhekissen für stille Genießer.
Sie enthalten genügend Dynamik (auch Härte!), die Langeweile nicht aufkommen läßt.
Um gegensätzliche Kunst-Positionen zu calmieren, kann gesagt werden, daß sich seine Aquarellkunst und Druckgrafik (!) zwischen den Extremen, konservativ/avantgardistisch, sozusagen in der GOLDENEN MITTE bewegt und somit vielen Sammlern und Kunstkennern Freude bereitet.