Buchtext Dresen-Berlin-Venedig
Vorliegende Aquarelle sind im Frühjahr 2001 in stundenlangen Sitzungen bei extremen Witterungsverhältnissen entstanden. Als Augenzeuge konnte ich die sukzessive Entstehung jedes Bildes unmittelbar miterleben. An wechselhaftes Wetter, Straßenlärm und Zuschauer hat sich Vogel längst gewöhnt. Abends werden die Malergebnisse einer neuerlichen Prüfung unterzogen.
Sollte der Ausblick aus dem Hotelzimmer allzu verlockend sein, wird auch nachts gemalt. Anschließende Spaziergänge sind entspannend, das Stadtfluidum meditierend in sich aufzunehmen.
DRESDEN
Da liegt nun vor uns das wiederaufgebaute „Elb-Florenz“ mit vergangenheitsgesättigten Achchitekturinseln inmitten der Plattenzweckbauten einer überwundenen bankrotten Staatsideologie. Vogel malt die restaurierte „Perle“ an der Elbe so, als befände sie sich seit Anbeginn in wahrhaft betörender Melancholie. Ihr in sich ruhender Zauber findet in der expressiven Dresden-Serie einen bislang unvergleichlichen aquarellistischen Niederschlag.
SCHWARZHEIDE – B A S F
Außerirdisch anmutende metallisch glänzende Aderngeflechtskonglomerate- umgeben von Kieferwäldern und kreuz und quer verlaufenden Autobahnen- überziehen das riesige Werksgelände. Vogel war begeistert, die auch für Laien staunenswerten Industriegroßanlagen, die gewissermaßen auch Kunstwerke sind, auf seine Art und Weise malen zu dürfen.
Er gab ihnen Farbe, Beseeltheit, Stimmung, Eigenleben. Unnachahmlich hat er sie malerisch mit „Gefühlsschichten“ verhüllt, denn nüchterne Sachlichkeit ist nicht sein Anliegen.
BERLIN
Vogel zieht es immer wieder nach Berlin, um den rasanten Wiederaufbau z.B. am Potsdamerplatz dokumentarisch festzuhalten. Er ist glücklich, seit Mitte der Neunzigerjahre als Maler dabeigewesen zu sein. Als Kontrast dazu malt er mit Hingabe historische Gebäudekomplexe, Kirchen, Plätze, Schlösser, Brücken, sogenannte „Preußische Kulturdenkmäler“.
Die nüchtern rationale Stadtatmosphäre findet sich nur bedingt in den neuen Berlinbildern wieder, denn der Künstler kann sein Wesen, seine Handschrift nicht verleugnen. Als wachsamer Begleiter und Freund bei vielen Malreisen bekomme ich direkte Einblicke in die jeweilige seelisch/geistige Tagesverfassung des Malers. Nur staunend kann ich den Entstehungsprozeß jedes Bildes mitverfolgen.
Vogel sieht Berlin anders. Er besitzt die Gabe, alten und neuen Stadtmotiven eine strahlend mysterische Aura zu verleihen. Ob seine Art zu malen avantgardistisch oder traditionell ist, spielt dabei keine Rolle. Wunderbar tief und unverwechselbar sind die neuen Bilder- und das sollte genügen.
VENEDIG
Der Abschluß des Buches zeigt stimmungsintensive Venedig-Ansichten. Warum ausgerechnet Venedig?
Jährlich zieht es Vogel in das „Seelenlabyrinth“ der Lagunenstadt, um sich malend zu regenerieren. Andererseits ist Venedig für jeden Menschen die Traumstadt schlechthin, die es in 100 Jahren so nicht mehr geben wird. Die verglühende Prächtigkeit Venedigs verbal zu preisen, wäre müßig.
Nur geniale Bilder können den Schmelz dieser Stadt einigermaßen wiedergeben.
Vogels Venedig-Bilder zählen zu den schönsten, die ich kenne.
Dem Vorstand der BASF-Werke Schwarzheide als Mäzen und Initiator sei Dank, die Malreise, das Buch und die Ausstellung so großzügig gefördert zu haben.
Wolfgang Graninger
Geb. am 4.1.1934 in Graz
Privatmusikerzieher
Dipl.Krankenpfleger
Kunstsammler, Juror und Mäzen
Schenkungen kompletter Ausstellungen zeitgenössischer Künstler an Albertina Wien und Rupertinum Salzburg;
Gottfried Salzmann, Margret Bilger, H.J. Breustedt, Walter Pichler, Ernst Len, Tone Fink, Wilhelm Schnabl, Josef Kern, Kafri
1990 Berufstitel „Professor“
seit 5 Jahren Aufbau einer Bernhard Vogel-Sammlung