Thema der diesjährigen Bernhard Vogel Ausstellung in der renommierten Berliner Galerie Schneider lautet lapidar Landschaften.
Landschaftsmalerei birgt auch heute noch genügend effiziente Gestaltungsmöglichkeiten, neuartig-unverwechselbare Landschaftsbilder zu kreieren. Neben sogenannten reinen Aquarellen gibt es auch solche, die von Villen, Kirchen, Schlössern, Burgruinnen et cetera „durchwachsen“ sind. Manche Galeristen sagen, das Aquarell ist durch neue Medien ins Abseits geraten.
Auch wenn es so wäre, Aquarellfreunde in der ganzen Welt sehnen sich geradezu nach genialen dramatisch-emotional gemalten Landschaftsaquarellen.
Vogels Aquarellkunst, eine Synthese aus Neoromantik-Neoexpressionismus –Neorealismus, ist eine überzeugende Synthese, denn sie schliesst visuelle und emotionale Langeweile und Gleichgültigkeit aus. Vergessen wir alle Ismen, erfreuen wir uns an der vielseitigen Schönheit und berührenden Gemütstiefe der dargebotenen Exponate.
Schönheit „an sich“? Nein, Schönheit, die über sich hinausweist.
(Christian Morgenstern)
Die Europäischen Landschaftsaquarelle bergen zwei Schwerpunkte:
BERLINER – und SYLTER LANDSCHAFTSBILDER. Die Ergebnisse der Sommer-Malreise 2003 könnte man zusammenfassend als „aquarellistische Wirklichkeits-Verzauberung“ bezeichnen. Bernhard Vogel ist kein Abmaler. Motive sind stimulierende Ausgangspunkte für nicht wiederholbare Schöpfungen. Die jeweils spezivische Tagesstimmung wurde mehr oder weniger expressiv wiedergegeben. Nun interpretiere ich einige Aquarelle, wie ich sie sehe. Andere Betrachter sehen sie vielleicht anders.
AN DER HAVEL Seite 17
Die Baum-Sand-Wasserszenerie eines wunderbar milden Juninachmittages hat Bernhard Vogel in ein kühl/heiss erregendes Traumbild verwandelt. Es scheint, als sei die Rückkehr in die Alltagswelt nicht mehr möglich, denn einmal im Zauberreich, immer im Zauberreich der Natur, der Fantasie, der Träume.
DIE GLIENICKE BRÜCKE Seite 15
Im Park von Schloss Babelsberg mit Blick auf die ehemals politisch brisante Hängebrücke vergangener Dezennien. Der Gewitterhimmel und die „Blut weinende“ Rotbuche sind Hauptakteure in dieser nur scheinbar idyllischen Havel-Landschaft.
SANSSOUCI Seite 22
Ausgangssituation: Park und Schlossanlage im gleissenden Sonnenlicht. Vogel taucht die weltberühmte Ansicht in ein gespenstisch flackerndes Lichtermeer. Die glänzende Fassade ist verschwunden. Zurückgeblieben ist ein wie von unsichtbaren Händen reaktiviertes Energie- und Geisteszentrum. Ein visionäres Bild!
SYLT, WATTENMEER BEI KEITUM Seite 13
Ein breit hingelagertes volltönendes „nordisches“ Stimmungsbild, das mit Musik von JAN SIBELIUS verglichen werden kann. Wenn sich das Meer zurückzieht, blickt man auf den nackten Meeresuntergrundrand. Eine malerische Herausforderung, beklemmend-intensiv.
SYLT MUNKMARSCH Seite 11
Die weithin ausschwingende Meeresbucht mit der für Sylt typisch überdachten Häuserreihe als krönende Silhouette und der malerisch prachtvoll abfallenden Meeresböschung, mit dieser Szenerie ist dem Künstler ein bewundernswertes „aquarellistisches Gemälde“ gelungen.
BLICK INS FUSCHERTAL Seite 42
Ein grandios monumental anmutendes Winterbild aus den österreichischen Alpen. Dass Vogel auch ein Meister expressiv-realistischer Winterbilder ist, hat er mit dieser genial gemalten Ansicht erneut bewiesen.
LAVENDELFELDER BEI SAIGNON PROVENCE Seite 39
Ein gleichwertiges südliches Gegenstück zum vorausgegangenen Winterbild ist dieses farbintensive Lavendelfeld mit der dahinterliegenden weiss aufleuchtenden Häusergruppe. Dass Malerei wahrhaft „berauschend“ sein kann, kann anhand dieses wunderbaren Bildes nachvollzogen werden.
PIEMONT, LANDSCHAFT BEI MORRA Seite 27
Der weisse Weg “im malerischen Wunderwerk” schlängelt sich ins Zentrum des Bildes. Es ist der “geheimnisvoll atmende” in hellen Pastellfarben getauchte Hügel. Verglühende wie “Goldklumpen” aussehende Rebstöcke säumen den Weg. Ist der Hügel ein ausserirdischer Bezirk oder ein prähistorischer Grabhügel ?
BERLIN, REICHSTAG Seite 19
Ein riesiger sich stetig verdüsternder “Turner-Himmel” wölbt sich über das geschichtsträchtige nationale Bauwerk, das nach und nach zu versinken droht. Bei diesem kosmisch grandiosen Aquarell, Bauwerk und Himmel verschmelzen miteinander, hat der Künstler Bernhard Vogel sich selbst übertroffen.