Nach fünfzehn Jahren, die ich hauptberuflich als Maler unterwegs bin, frage ich mich manchmal, warum ich diese Laufbahn eingeschlagen habe.
Als Kind gab es keine Basis oder Impulse dafür. In einer kaufmännischen Familie aufgewachsen, ist man dazu bestimmt, den elterlichen Betrieb zu übernehmen. In bildnerischer Erziehung bei der Matura durchgefallen, wurden auch keine äußerlichen Zeichen gesetzt.
Es ist die innere Stimme, die sich meldet, wenn etwas Entscheidendes passiert. So ging es mir damals, als ich für die Maturamappe malte. Es waren kleine Gefühlsbotschaften, die mich verwunderten, die ich aber nicht ernst nahm.
Durch einen schweren Motorradunfall und die Begegnung mit dem Medium Aquarell bei einem Malkurs mit Irma Raphaela Toledo begann etwas, das ich schon öfter in meinem Leben bemerkt hatte: Begeisterung, Fanatismus und Neuanfang.
Ich war so sehr dem Malen verfallen, dass sich Menschen meiner Umgebung nur noch wunderten. Mich wunderte es überhaupt nicht, denn es war das einzige, das für mich wichtig war. Ich war nur glücklich, wenn ich malen durfte.
Malen ist ein traumhafter Ausflug aus Körper und Geist. Wer dies jemals gespürt hat, wird nicht mehr so leicht davon loskommen. Bei mir war es so intensiv, dass ich begann, mein Leben nach der Malerei zu richten. Sie war so wichtig, dass alles andere nebensächlich wurde, wie beispielweise das Vorhaben, davon zu leben zu müssen.
Hinzu, kamen Meinungen von außen, also Kritiken und Einflüsse. Sie ernst zu nehmen, war für mich wichtig, sie zu hinterfragen noch wichtiger. Ich filtrierte sie zum positiven Impuls für meine Arbeit und nahm sie nicht persönlich. Es war die Aufgabe, die Arbeit von meiner Person zu trennen. Je mehr man malt, umso mehr wird man herumgereicht. Man hat mit Entscheidungen zu tun, wie zum Beispiel: die richtige Galerie zum richtigen Zeitpunkt zu finden, welche Bilder man herzeigt, welche Kontakte ernst zu nehmen sind, wie viel man in Publikationen investiert und vieles mehr. Das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden, war immer ein Gefühlsprozess, weil es um meine Bilder ging. Sie waren für mich wertvoll, weil ich wusste, dass ich sie nicht wiederholen kann. Es war und ist ein leidvoller Prozess, sich von einem Bild zu trennen.
Es wird alles mehr und mehr. Wenn ich damals gewusst hätte, was da alles auf mich zurollt, ich hätte es nicht geglaubt. Alles ging fließend schnell. Ich hatte kaum Zeit nachzudenken, denn es ging Schlag auf Schlag. Ich ließ mich nie entmutigen und nahm alles, was nicht das Malen selbst betraf, nie so ernst, dass es mir hätte schaden können. Es ist eine Gabe, damit umgehen zu können und derselbe zu bleiben, wie zu Beginn, als ich zu malen anfing. Selbstzufriedenheit, Saturiertheit, Selbstgefälligkeit, Überheblichkeit oder Selbstsicherheit sind Feinde des Kreativen.
Ich glaube, dass man als Künstler Gegensätzliches und Weitschichtiges haben muss. Ein Wechselspiel von Härte und Weichheit, Stärke und Schwäche, Männlichem und Weiblichem, Verzeihen und Nichtvergessenkönnen, Einfachheit und Komplexität. Liebe, tiefe Gefühle, Naivität, Träumerei, Spielerisches und Weltfremdheit gehören dazu wie Vorausdenken, Kalkül und Spontaneität.
Inspiration und die Freude am Malen waren und sind mir immer wichtiger gewesen als kunsttheoretische Überlegungen. Ich kann es nicht besser erklären, denn der Weg ist vorgegeben.
Bernhard Vogel