Dieser auch für mich so überraschende Wandel wurde durch eine Reise eingeleitet. Es war die Stadt der Städte, New York, die mich aufgerüttelt hat, mit einer für mich ganz neuen Technik zu beginnen. Dieser Aufenthalt war völlig anders verlaufen als meine früheren Malaufenthalte. Die malerische Ausbeute bestand nur aus Zeichnungen und Skizzen.
Daran gewöhnt, direkt vor dem Motiv spontan zu malen, durchbrach ich diesmal meine Gewohnheit, das Gesehene unmittelbar in ein Aquarell umzusetzen, und ließ mich einfach nur beeindrucken und aufladen.
Wer New York kennt, weiß, daß diese pulsierende Stadt niemals kalt läßt. Wie die Amerikaner treffend sagen, ist New York nicht Amerika, New York ist New York. Es ist ein Energiezentrum mit einer unsagbaren Ausstrahlung, ein Moloch und ein Paradies zugleich, ein Impulsgeber in jede Richtung. New York als Inbegriff des Dualismus löst vielleicht deshalb in mir immer wieder eine Richtungsänderung aus und ist somit stets ein neuer Antrieb für meine Arbeit. Schon 1988 und 1992 konnte ich dieses Phänomen beobachten, und doch war es diesmal etwas anderes. Ohne mich auf die Arbeit konzentrieren zu müssen, konnte ich mich der Stadt und ihren Wirkungen völlig hingeben, gleichsam wie ein Schwamm alles aufsaugen.
Wieder in Salzburg – als ich die gewonnenen Eindrücke in Aquarell umsetzen wollte – geschah etwas Sonderbares. es wollte nicht gelingen, besser gesagt, ich fing erst gar nicht an mit dem Aquarellieren. Zuviel war in mir gespeichert. Mit der Technik des Aquarells konnte ich den Sog der Eindrücke nicht auffangen. Rastlos und unsicher wartete ich auf eine Idee, bis mir eines Nachts amerikanische Zeitungen und Zeitschriften auffielen, die zufällig im Atelier lagen. Spontan und ohne Kalkül begann ich, Schriften und Zeitungsausschnitte auszuwählen, zuerst noch zurückhaltend auf Leinwand zu kleben und darüberzumalen. Es war der Beginn neuer malerischer Zyklen.
Der nächste Schritt war die Idee, eine im Dezember gekaufte Wellpappenstruktur in ein Bild zu integrieren. Die Struktur der Wellpappe begeistert mich noch immer, da sie einerseits den besonderen Charakter dieser Stadt sehr gut wiederzugeben vermag und andererseits einen spannenden Bildaufbau ermöglicht. Die ersten Bilder entstanden und machten süchtig, daran weiterzuarbeiten. Ein intensiver Schaffensprozeß begann, und ich malte fast jeden Tag und die Nächte hindurch. Ich versuchte, alle möglichen Materialien in die Bilder einzubinden und damit zu experimentieren, wie rostige Nägel, Netze und Bootsreste von alten Schiffen aus einem Hafen in Apulien oder vergilbte Plakatfetzen aus Venedig.
Eine weitere Folge dieser Entwicklung war es, ältere Aquarelle, Öl, und Acrylbilder zu übermalen. Dabei entdeckte ich die Wichtigkeit der scheinbar unsichtbaren, darunterliegenden Schichten und entwickelte daraus eine neue Technik. Viele weitere Ideen folgten nach, ich war in die Anfangszeit als Maler zurückversetzt. Suchend, experimentierend und ohne Perfektion konnte ich mich einem Malrausch hingeben, dem schöpferischen Prozeß. Ich hatte die richtige Ausdrucksform für meine New York Erlebnisse gefunden.
Eine Ausstellung mit Buchpräsentation in der Galerie Weihergut war das Ergebnis dieses Aufbäumens. Die Collage war damals noch das vorherrschende, technische Element. Allmählich versuchte ich, auch andere Städte und Themen auf Leinwand und Karton zu verarbeiten, und das Malerische trat immer mehr in den Vordergrund. Als spontaner Maler kommt mir dabei das schnell trocknende Acryl sehr zugute. Materialien wie Wellpappe, Plakatfetzen, Schriftfetzen, Netze und Fundstücke dienen als reliefartiger Untergrund und als verdichtende oder strukturverstärkende Hilfsmittel. Mittlerweile ist diese Technik für mich genauso wichtig wie das Aquarell.