Das Aquarell unterwegs

Das Aquarell, eine der ältesten Techniken seit Beginn der künstlerischen Tätigkeit, hat vor allem seit Ende des 15 Jahrhundert durch Albrecht Dürer eine echte Eigendynamik gewonnen. Es sind 23 von Dürer auf seiner ersten Reise geschaffenen Aquarelle, die einzigartig in der Kunstgeschichte sind . Die bis zu diesem Zeitpunkt Hauptaufgaben dieser Technik waren vorallem Koloration von Grafiken und Buchillustration, also rein auf grafische Funktion begrenzt. Dürer zeigte mit seinen Reiseaquarellen zum ersten Mal die vielfältigen und phantastischen malerischen Möglichkeiten des Aquarells auf . (Walter Koschatzky: Die Kunst des Aquarells)

Als im Wandel des Mittelalters zur Renaissance das Reisen modern wurde, begann auch das Aquarell an Bedeutung zuzunehmen. Wichtigster Ausgangspunkt war das englische Aquarell. Als bestes Beispiel sei hier die Venedigreise von Turner genannt. Damals wie heute ist das Aquarell die geeignetste Form, Einflüsse durch Reisen spontan zu illustrieren. Diese Technik hat besonders in der letzten Zeit sehr viele neue Anhänger gefunden. Wer einmal Feuer gefangen hat, kommt nicht mehr so leicht davon los, ist immer auf der Suche nach neuen Erfahrungen, möchte an die Grenzen gehen, neue Herausforderungen spüren, gefangen von den unerschöpflichen Möglichkeiten, die dieser Technik so eigen ist. Wenn man sozusagen aquarellistisch unterwegs ist, will man auf die gewohnten Materialien und Hilfsmittel, die man auch im Atelier verwendet, nicht verzichten und auch im Freien so bequem wie möglich griffbereit haben. Gerade in Städten ist man oft gezwungen, lange Strecken zu Fuszlig; zu gehen. Dabei ist es wichtig, jederzeit reagieren zu können. Ich will nun ganz subjektiv meine Ausrüstung beschreiben, die ich für gewöhnlich immer dabei habe:

Der Malkasten: Generell verwende ich einen übersichtlichen Malkasten mit 4 Reihen für groszlig;e Näpfchen von Schmincke, wenn nicht anders angegeben.

Erste Reihe: Deckweiszlig;, Neapelgelb, Echtgelb hell, Kadmiumgelb dunkel, Lichter Ocker, Stil degrain vert, Chromorange

Zeite Reihe: Zinnober, Englischrot hell, Karminrot, Magneta, Ultramrin viollet, Ultramrin feinst

Dritte Reihe: Paynesgrau (Ferrario), Cölinblau (Ferrario), Cölinblau, Indigo, Chromoxydgrün feurig, Umbra natur (Ferrario)

Vierte Reihe: Kobaltgrün dunkel, Türkis (Ferrario),Maigrün, Preuszlig;ischgrün, Maddergraun, Caput moruum, Vandyckbraun

Tuben (Schmincke): Kobaltblau hell, Stil de Grain Tuben (Maimeri): Stil de grain brune, Carnation Tuben (Rowney): French Ultramrin, Indischgelb, Olivegrün Tuben (Windsor&Newton): Vermillionm, Crimson

Die Farben sollten nach warmen und kalten Farben eingeteilt werden und so gut es geht immer dieselbe Anordnung haben, da es beim Malen wichtig ist, z.B. bei Dämmerung oder Regen, seine Farben sofort zu finden. Für groszlig;e Formate oder groszlig;flächige Farbflächen bzw. starken Farbauftrag ist es ratsam die wichtigsten Farben auch in Tuben zur Verfügung zu haben. Am besten ist es immer wieder, neue Farben von verschiedenen Firmen sowohl in Tuben als auch Näpfchen auszuprobieren, um sein eigenes Sortiment für eine gewisse Zeit parat zu haben.

Das Papier:

Ich verwende am liebsten einzelne Bögen, die auseinandergeschnitten das Maszlig; 38x56cm ergeben. Die bevorzugten Firmen sind Fabriano 600g satinata oder ähnlich glatte Papiere. Je glatter das Papier, desto öfter passieren aquarellistische Zufälle, besonders ab einer Stärke von 300g. Rauhe Papiere, z.B. Arches rauh von 300g - 800 g, haben den Vorteil, weiche Pinselstriche und damit weiche übergänge wiederzugeben. Die erzielte Wirkung ist meistens malerischer als bei sehr glatten Blättern. Auch Blöcke in der Gröszlig;e von ca. 40x50cm sind gut geeignet, da sie rundum geleimt sind und deshalb nicht aufgespannt werden müssen. Eine kostengünstige Lösung ist das Ingres-Papier. Auf Grund seiner dünnen Stärke muszlig; man jedoch schon am Vortag die zugeschnittenen Blätter mit Eiweiszlig;, vermischt mit ein wenig Wasser ansteichen und auf eine ebenfalls mit Eiweiszlig; behandelte Spanplatte mit der rauhen Oberfläche mittels eines Tuches aufpressen und über Nacht trocknen lassen. Die Farbwiedergabe ist brillant, doch die Möglichkeit des Auswaschens ist im Vergleich mit stärkeren Blättern begrenzt. Wichtig ist, daszlig; man immer wieder neue Papiere ausprobiert, also z.B. auch Daphnebütten aus Nepal oder grobe handgeschöpfte Gründe aus Indien. Gerade der Wechsel auf andere Medien bringt neue ungeahnte kreative Impulse und nimmt der Perfektion seine negative Wirkung. Dieselbe Wirkung bringt auch der Wechsel des Formates, also von klein auf groszlig; bzw. Umgekehrt. Es spricht auch nichts dagegen, einmal quadratische Formate ausprobieren.

Zubehör:

Als Zubhör verwende ich einen elastischen Wasserbehälter aus Gummi, je eine Schutzhülle für Pinsel und Farbstifte bzw. Rohrfeder. Schwamm, Baumwolltücher, Wasserspray befinden sich ebenfalls im Rucksack. Weiters habe ich bei mir: Leichter Hocker mit Alugestänge und zusätzlichen Taschen für weitere Utensilien, eine Mappe, ca. 40x60cm, mit Aquarell- und Zeichenpapieren, eventuell eine zusammenklappbare Staffelei und einen Photoapparat als moderner Skizzenblock. Mit dieser Ausrüstung fühle ich mich wohl und kann eine Malreise jederzeit beginnen.

Weitere Malmittel:

Aquarellstiffte in groszlig;er und kleiner Stärke habe ich zum einen für die eigenständige Technik als Buntstiftzeichnung in Verwendung, zum anderen sind sie als Farb- oder Kontrastverstärker für Aquarelle für mich von groszlig;er Bedeutung. Auch Bleistiftstriche nachträglich oder als Vorzeichnung können dem Aquarell zusätzliche Strukturen oder Perspektive geben.

Acrylfarbe ist zwar wasserlöslich und wirkt im ersten Moment wie Aquarellfarbe, ist im getrockneten Zustand auf dem Papier jedoch nicht mehr auswaschbar und auch nicht so transparent. Für übermalungen oder besonders für Strukturen in groszlig;angelegten Flächen kann Acrylfarbe aber zusätzlicher Impulsgeber sein. Am besten ist, wenn man damit einmal experimentiert und eigene Erfahrungen macht.

Deckweiszlig; ist zum Mischen für sehr transparente Pigmente manchmal von groszlig;em Nutzen, da sich daraus neue, mehr deckende Farben ergeben, bzw. gibt es dem Blatt manchmal einen atmosphärischen oder verbindenden Charakter.

Wachsstifte sind wasserabstoszlig;end und verleihen dem Aquarell mitunter zusätzliche Akzente, die vor allem linear aufgetragen von groszlig;er Wirkung sind, z.B. bei Spiegelungen.