(Parnass, November 1997)
Der Salzburger Bernhard Vogel, Jahrgang 1961, ist seit 10 Jahren bei in- und ausländischen Aquarellfreunden durch internationale Preise, zahllose Einzelausstellungen und Publikationen bestens bekannt. Durch seine unkonventionelle Art des Malens bekam das vielgerühmte und oft geschmähte "Salzburger Aquarell" Aufwind, einen folgenreichen Verjüngerungsschub, denn Vogel-Nachahmer ließen nicht lange auf sich warten.
Die seit etwa 50 Jahren auch international anerkannte "Salzburger Aquarellschule" (Peiffer Watenphul, Breiter, Hradil, Salzmann, Kruckenhauser) begann sich bis zum Auftreten Bernhard Vogels im Kreise einmal gewonnener künstlerischer Positionen zu drehen. Der Verdienst dieser Gruppe ist für das Österreichische Aquarell unbestritten.
Vogel versucht aus dieser viel bewunderten Ästhetik mit diszipliniert hingefetzten, romantisch traumhaft differenzierten, reich orchestrierten "Symphonischen Stücken" auszubrechen, was ihm auch gelungen ist. Die größten Erfolge erzielte er, man höre und staune, im Aquarellpara-dies England, wo die Nachfrage nach "Mister Bird" aus Österreich enorm ist und seine Aquarellkunst in besten Privatsammlungen vertreten ist.
Ich muß diese eher untertriebenen Belobigungen erwähnen, denn Vogel ist Autodidakt und betrachtet sich keineswegs als Gralshüter "reiner" Aquarelle. Er malt, wie es ihm gefällt. Das jeweils ins Auge gefaßte Motiv wird als Ideenspender angesehen. Was sich dahinter verbirgt, interessiert ihn mehr und wird seinem Gefühlsreichtum entsprechend verwandelt. Es entstehen sogenannte Paraphrasen über vorgegebene Themen, das heißt, die Motive bleiben erkennbar, nur die Umsetzung ist subjektiv. Nur schöne Aquarelle interessieren ihn nicht.
Es ist die innere, unverwechselbar eigenwillig-ambivalente Kraft und Schönheit seines Wesens, das soviele Menschen verzaubert, auch mich. Als Sammler seiner Aquarelle und Farbradierun-gen, die man nicht unterschätzen sollte, bin ich nur scheinbar befangen. Wer mit sauer verdien-tem Geld Vogels Werke sammelt, besieht sich jedes Objektes der Begierde zehnmal, bevor es endgültig erworben wird. Je leidenschaftlicher man einen Sammlungsblock eines bevorzugten Künstlers umkreist und erwirbt, desto genauer, ja durchdringender prüft man "Zeitgenössisches", das noch nicht abgesegnet ist.
Ich könnte es mir leicht machen, indem ich aus etlichen Eröffnungsreden Wesentliches heraus-suche, um es hier wiederzugeben. Ich kann für mich gültige Formulierungen nicht wiederholen. Auch Vogel wäre nach eigenen Angaben nicht imstande, sich selbst zu wiederholen oder eines seiner Aquarelle zu kopieren. Ich kenne Vogel seit genau einem Jahr persönlich und konnte mehrmals beobachten wie ein Aquarell entsteht. (Es gibt Vido-Aufzeichnungen, die direkte Einblicke in den Schöpfungsakt gestatten.) Er ist auch ein hervorragender Pädagoge. Er veran-staltet gerne in aller Herren Länder Aquarellkurse, die stets "überlaufen" sind. Die unbefangene Kreativität und der Umgang mit dilettierenden Aquarlladepten befruchtet auch die eigene künstlerische Produktion. Er ist kein Misanthrop, der von der Welt abgesondert seinen Träumen nachhängt. Er liebt Menschen und sie spüren es. Sehnsucht und Liebe sind die eigentlichen Triebfedern seines Tuns und nicht die Umsetzung vorgefaßter Konzepte. Das Medium Aquarell ist sein ureigenstes Gebiet, wo er sich (zur Freude vieler!) restlos austoben kann. Ohne Lust auf Malerei entstünde kein einziges Aquarell.
Als Berichterstatter soll ich Fakten, nicht Hypothesen auf den Tisch legen. Jede nüchterne Kunstbesprechung erstaunt mich, da Kunst alles andere als nüchtern ist, sie ist eine der wenigen noch verbliebenen Oasen der Kreativität, Träume, Sehnsüchte, Abstürze ins Bodenlose und Aufschwünge zu höchsten Glücksgefühlen. Wer begriffen hat, was Kunst sein kann, müßte mich verstehen.
Ordnungshalber muß ich aus dem Gedächtnis bevorzugte Plätze seiner Aquarellaktivitäten an-führen:
Salzburg - das Gebiet um den Neusiedlersee - Zell am See - Toscana - Venedig - Rom -
London - Schottland - Hamburg - Leverkusen - New York - Kreta - und im nächsten Jahr
Andalusien - Peking - Bern usf.
Auch möchte ich nicht unerwähnt lassen, daß Bernhard Vogel nie von Öffentlicher Hand sub-ventionert und gefördert worden ist. Er allein entscheidet, wann und wo er ausstellen wird. Er ist kein Jammerer, der sich ständig über den scheinbar dahinsiechenden Kunstmarkt beschwert. Solange er unbehelligt malen kann, ist er glücklich.
Ich möchte mich bei den Leserinnen und Lesern entschuldigen, daß es kein üblicher Ausstel-lungsbericht ist, sondern ein unvollständiges Psychogramm der Werke des Künstlers.
Ich denke, Bildbesprechungen erübrigen sich, wenn man die abgebildeten Aquarelle lange genug auf sich einwirken läßt. Sechs Ausstellungen von September bis Dezember (in Verbindung mit einer Buchpräsentation des renommierten CALLWEY-VERLAGES, BERNHARD VOGEL - AQUARELLMALEREI) in München, Venedig, Wr. Neustadt, Hamburg, Berlin und Graz sind angesagt. Freuen wir uns über das staunenswerte Angebot des Österreichers Bernhard Vogel!