Von Lissabon nach Rom Aquarellimpressionen 2001

Prof. Wolfgang Graninger

„Wir können uns nicht darauf verlassen, dass eines Tages gute Bilder gemalt werden, wir müssen die Sache selbst in die Hand nehmen." Sigmar Polke

Achtzehn europäische Städte-, Landschafts- und Blumenaquarelle von Bernhard Vogel sind in diesem Katalog der Galerie Koch abgebildet.

Früher hätte man gesagt, Reisen bilden. Weltreisende damals hatten genügend Zeit und Muße sich zeichnend und malend der Schönheit diverser Reiseziele topografisch genau zu vergewissern. Heute ist es etwas anders. Fast alle Menschen sind irgendwann, irgendwo, irgendwie unterwegs. Entfernungen spielen keine Rolle mehr. Die ganze Welt strömt täglich über TV in jeden Haushalt. Warum sollten Künstler sich der Mühe unterziehen Stadtmotive vor Ort noch zu malen?

Für Bernhard Vogel sind Motive „inspirierende Ideenträger" für unverwechselbare expressive neoromantische Bildkompositionen. Es ist bereits die vierte Vogel-Ausstellung in der renommierten Galerie Koch.

Manche Insider möchten wissen, ob sich die Malweise seit der ersten Ausstellung 1993 wesentlich verändert hat. Man könnte anmerken: Die künstlerische Handschrift wurde entschiedener, expressiver, dualistischer, dramatischer. Dagegen berührende lyrische Zwischentöne und traumhaft subtile Märchenhaftigkeit treten immer seltener in Erscheinung.

Ich behaupte, Vogels Malweise ist total europäisch. Vollmundig gesagt, er ist ein Vollblutmaler mit abgrundtiefer Seele. Diese knappen Hinweise und das Bildmaterial sollten genügen, sich mit dem Werk des Salzburger Künstlers noch mehr als bisher auseinanderzusetzen.

Wieviele lebende Maler gibt es, die in ihren Bildern soviel Schönheit und Gemütstiefe aufzuweisen haben? Oder anders gefragt: Welche Bilder besitzen soviel seelische Substanz, um als Lebensbegleiter fungieren zu können? Es könnte doch sein, dass ein Vogel-Aquarell diesen Anforderungen entspräche.