Galerie Halbach, 10.03.2000
S.g. Anwesende!
Bevor ich mit der Rede beginne, möchte ich mich kurz vorstellen.
Ich bin kein Kunsthistoriker. Ich sammle seit dem 14. Lebensjahr vorwiegend zeitgenössische Malerei und Grafik und seit 4 Jahren fast ausschließlich Originale von Bernhard Vogel. Kunstsammeln ist kein Beruf, es ist eine lebenslange Leidenschaft ohne Enttäuschungen. So betrachtet, kann man sagen, Kunstsammler sind glückliche Menschen.
Es ist immer ein Vergnügen, eine sehr gute Ausstellung in einer sehr guten Galerie für sehr gute Freunde zeitgenössischer Malerei eröffnen zu dürfen, denn: eine Galerie ist ein exklusiver Ort für ungewöhnliche Menschen, die Ungewohntes in faszinierenden Bildern suchen und finden.
Eine Galerie mit exquisiten Bildern ist für Kulturbeflissene stets ein verführerischer Anziehungspunkt, denn der Zwiespalt, ob man überflüssiges Geld in Aktien, Bilder oder in eine üpige Lebensweise investieren soll, kann enervierend sein und schlaflose Nächte bereiten. Fragen wie: Was ist haltbarer? Was bringt mehr Licht und Freude? Sollte man nicht lieber Dieses oder nicht doch Jenes erwerben? Ist der Kauf expressionistischer Bilder nicht besser als sogenannte Freunde, die allzuoft gar keine Freunde sind?
Wir alle verabscheuen langatmige Eröffnungsreden und doch gehören sie zum unverzichtbaren Ausstellungsritual. Es ist ein besinnliches Atemholen, bevor man sich ins Ausstellungsgetümmel begibt, wo es faszinierend malerische Stadtlandschaften und Blumenstillleben in Aquarell-, Acryl- und Collagetechnik zu bestaunen gibt. Der Schöpfer dieser "Farben- Wunderwelt" ist anwesend.
Wir begrüßen den Salzburger Maler BERNHARD VOGEL sehr herzlich, auch Frau HALBACH-MEINECKE, die nach 3 1/2 Jahren wieder eine Bernhard Vogel-Ausstellung, diesmal in neuen, festlichen Räumlichkeiten, realisieren konnte. Ich bitte um Applaus!
In den vergangenen 3 Jahren hatte ich mehrmals die Ehre und das Vergnügen, Vogel-Ausstellungen im In- und Ausland zu eröffnen. Es war immer ein künstlerisches und gesellschaftliches Ereignis, inklusive Verkaufserfolg, denn Kunstsammler sind hellwache Geschöpfe mit feinster Witterung für sammelnswerte Bilder. Die Frage drängt sich auf: Was hat Vogel, was andere Aquarellisten nicht haben? Ich fasse mich kurz: Mich fasziniert die märchenhafte Süße, die hingewehte Poesie seiner Farbenpalette, gepaart mit abgründiger Dramatik als Gegenpol, das heißt, in jedem seiner Bilder findet ein Drama von unterschiedlicher Intensität statt.
Solange es Menschen gibt, wird es auch Aquarellistinnen und Aquarellisten geben, die draußen, vor Ort, markante Motive zu Papier bringen. Merkwürdigerweise findet man in Angebot führender Top-Galerien kaum oder überhaupt keine Landschaftsaquarelle jüngerer Künstler, denn wer heute im Freien nach der Natur malt, macht sich verdächtig, Unzeitgemäßes zu produzieren.
Vogel hat sich nie darum gekümmert, ob seine Bilder modern oder konservativ sind. Eine Art "unerbittliches Sendungsbewußtsein" ließ ihm bis jetzt keine Zeit, sich mit wechselnden Kunsttrends zu befassen. Kollegen, die er schätzt, sind Janssen, Salzmann, Fußmann, um einige Namen zu nennen.
Ich sage nichts Neues, wenn ich behaupte, gute Bilder sind eine wertvolle Lebenshilfe-aber niemals Lebensersatz.
Einen nicht unwesentlichen Aspekt seiner künstlerischen Tätigkeit möchte ich nicht unerwühnt lassen. Die Frische und mitreißende Spontaneität der Aquarelle haben etwas Elektrisierendes an sich, so sehr, daß viele Menschen unterschiedlichen Alters den Wunsch verspüren, es selbst einmal zu probieren. So kommt es, daß bei internationalen Malseminaren Bernhard Vogel zu den begehrtesten Kursleitern zählt, denn er scheut und schont sich nicht, vor aller Augen, sozusagen "unter ständiger Aufsicht" zu malen und dabei Fragen der Kursteilnehmer gewissenhaft-sorgfältig zu beantworten- und während der Malpausen ihre Ergebnisse zu begutachten.
Seit Beginn seiner Künstlerlaufbahn hat er immer mit Enthusiasmus, Scharfblick und Intuition europäische, amerikanische, auch asiatische und afrikanische Stadtlandschaften gemalt ohne zu fragen, ob das, was gemalt hat, genügend avantgardistisch sei. Für Kunstkonsumenten eine müßige Frage, denn sie suchen in erster Linie UNVERWECHSELBARE KUNST ZUM GERNHABEN. Da liegt der Hase im Pfeffer. Niemand würde sich mit Bildern umgeben, die er nicht mag, die eine negative Ausstrahlung haben.
Zum Schluß möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf eine ganz besondere "Vogel-Delikatesse" lenken. Es ist der 2. Aquarellband im Callwey-Verlag München, ein wunderschönes Buch, das einen Querschnitt des bisherigen Aquarellschaffens enthält, ebenso einen Text des Künstlers "Über die Findung der eigenen Handschrift". 1. und 2. Band ergänzen einander, ein unbedingtes Muß für alle Aquarell- und Vogel-Fans.
Ich habe genug geredet. Die Ausstellung ist somit eröffnet. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!