Neue malerisch kostbare Bergbilder

Prof. Wolfgang Graninger

Text zum Buch "Bergbilder II" von W. Graninger

Über die wunderbare Alpenwelt, die sich in den Aquarellen widerspiegeln, mit Begeisterung zu schreiben, ist nicht leicht, denn das Thema ist für ein Geleitwort zu umfassend und zu groß. Man könnte jedoch sagen, die abgelichteten Bilder sagen mehr als tausend Worte.

Nicht nur für sensible Städter, die im Flachland oder Voralpenland leben, können gelegentliche Ferienaufenthalte und Wanderungen in den ÖSTERREICHISCHEN - und SCHWEIZER HOCHALPEN unvergessliche „ naturmystische“ Erlebnisse hinterlassen. Zum Beispiel: Sich zusehends verdichtende, unheimlich dramatische Wetterumschwünge, die herrliche Alpenszenerien von Minute zu Minute ins Fantastisch-Visionäre verwandeln. Tatsache ist auch, Menschen auf Bergeshöhen fühlen sich dem riesigen Himmelsgewölbe (real und metaphysisch) näher als der Erde, die uns trägt.

Auch für BERNHARD VOGEL, der bekannte Städte-, Landschafts-, Blumen-, Stillleben-, Porträt- und Gebirgsmaler, sind Malaufenthalte in den Alpen intensive Kreativtage mit wunderbaren Malergebnissen.

Welcher Maler ließe sich nicht von überwältigenden Alpen-Sehenswürdigkeiten inspirieren? Und doch, es gibt nur wenige zeitgenössische Maler und Malerinnen, die sich künstlerisch überzeugend mit der Alpenwelt auseinander setzen.

Bernhard Vogel ist und war nie bestrebt, ein naturalistischer Maler zu sein.

Motive sind Vorwand, existentielle Gemüts- und Seelenregungen in traumhaft irisierenden Farblasuren auf strahlend weiße Büttenpapiere zu bannen. Für den Bekanntheitsgrad eines Künstlers ist eine unverwechselbare Handschrift Voraussetzung. Vogel malt, wie er malen muss, ohne sich an prominenten Malern der Vergangenheit oder Gegenwart zu orientieren. Trotzdem:

Jeder bekannte Maler steht in der langen Tradition internationaler Malerei.

Was uns an den sogenannten Bergbildern, die in freier Natur entstanden sind, so sehr fasziniert, ist auch die betörend atmosphärische Wiedergabe der jeweiligen Örtlichkeit. Meines Erachtens, müsste jeder Städter, der sie zu Gesicht bekommt, ein Alpen-Fan werden. Die malerische Naturwiedergabe, ein Spiegelbild schwankender Seelenzustände. Es ist immer ein beglückendes Erlebnis, mit Vogels Bergbildern konfrontiert zu werden.

Ich bespreche nun einige Bilder:

WINTERLANDSCHAFT BEI HUMMERSDORF Seite 50
Klirrende Kälte, gleißendes Mittagslicht, ruhig daliegender Bergriese im Hintergrund, Bäume und blutiges? Sträuchergestrüpp im Vordergrund bilden die Szenerie des expressiven Winterbildes, das man sicher nicht so bald vergisst.

SCHEUNEN BEI HUMMERSDORF Seite 39
Sehr alter Bauernhof mit riesiger Scheune rechts bei Tauwetter und Schneegestöber.

Ein durchlässiger Holzzaun und ein knorriger Baum umschließen das unheimliche Areal. Man könnte sagen, wir sehen wie durch Tränen hindurch dieses wunderbare Winterbild.

ZELL AM SEE, BELLEVUE Seite 23
Der spiegelglatte grünglasige See in der Mitte, dahinter die Stadt zwischen einem gewaltigen Bergmassiv und die nackten pechschwarzen Kastanienbäume im Vordergrund verdichten, vernetzen sich souverän zu einem staunenswert hochexpressiven Gebirgsaquarell.

SAALBACH IM WINTER Seite 19
Kalter Himmel, Pulverschnee im gleißenden Wintersonnenlicht. Der nur scheinbar behütete Ort, geduckt im Tal, zu Füßen sachte ansteigender Berge. Es ist eine naturnahe Ansicht- und doch ein wunderbar ergreifendes „Seelengemälde“.

DUNKLER BERGRÜCKEN, KAPRUN Seite 54
Hauptakteur ist der in der Mitte des Bildes hingelagerte dumpf-rostbraune Berg mit expressiv-stacheligen Ausläufern ins Tal hinein. Das danebenliegende Bergmassiv in Taubengrau und Fliederfarben ist eine passende Folie für den Hauptdarsteller des genial gemalten Wasserfarbenbildes.

SAALBACH HINTERGLEMM Seite 29
Ein wahrhaft erholsamer Blick ins Tal, ins Zentrum des Bildes, wo alles in betörender Bläue kulminiert und Berge und Himmel in Eintracht miteinander kommunizieren. Es ist ein modernes „Winter-Andachtsbild“ für gestresste Menschen.