Text zum gleichnamigen Katalog der Galerie Loy. Erschienden Dezember 2005
Grundtext Katalog 10.2005
Bernhard Vogel
DIE besonderen DREI
Der Titel provoziert Fragen, die schnell zu beantworten sind: Gemeint sind jeweils drei ausgewählte Aquarelle aus verschiedenen Stoffkreisen, die bis auf Stillleben und Akt eine größere Zahl von Arbeiten enthalten. Die drei gelten als „besonders“ anregend und spannend. Fast alle stammen aus den letzten beiden Jahren und geben damit nicht nur Reiseziele des Künstlers an, sondern seine spezifische Malweise, die mehr ist als nur eine Aquarelltechnik.
Bernhard Vogel, 1961 in Salzburg geboren, dort in der Aquarellmalerei ausgebildet, ist ein Künstler, der vor Ort im Freien malt. Dafür bevorzugt er präzise gewählte Motive statt pauschaler Eindrücke. Seine Landschaften und Städte-Ansichten haben alle einen Ausgangspunkt, von dem aus sich die Motive erschließen. Blicke auf Küsten, Steilufer und versteckte Dörfer bestimmen die charakteristischen Arbeiten, die auf Rügen entstanden sind. Markante Bauwerke prägen eine Stadt; hier sind es Architekturen in Berlin und London, die weltberühmt sind, was den Künstler nicht hindert, sie zu malen und in der Farbwahl seine Stimmung wiederzugeben. Einzelne Farben dominieren oft vor dunklem Grund wie das Rot des House of Parlament oder das kühle Blau des Europacenters.
Zu den Freiluft-Bildern gehören die Hafenmotive, die hier eine eigene Gruppe bilden: Diese konzentriert sich auf Yacht- und Fischereihäfen, während die Industrieanlagen in die Ferne gerückt werden. Vorherrschend ist das Weiß der Boote, meist ein Blattweiß, das unbesetzt geblieben ist, gerade deshalb fremd wirkt und den Blick auf sich zieht.
Neuerdings nehmen die Themen des Ateliers zu: Intensiv hat sich Bernhard Vogel mit Blumenmotiven beschäftigt und daneben ab Sommer diesen Jahres Stillleben gestellt. Bei beiden im Katalog abgebildeten Stoffkreisen, bilden die Vasen die Formen, die der Komposition Halt und Festigkeit geben: Bei den Blumenbildern entspringt daraus die Vielfalt eines bunten Straußes, bei dem die Details zwischen präziser Form und lockerer Farbsetzung schwanken, während die Gefäßstillleben glatte Flächen zeigen, in denen die Farben im scheinbaren Glanz differenziert erscheinen. Überschneidung und Schichtung entwickeln optisch einen Raum abgestufter, aber kräftiger Farbigkeit.
Während sich Bernhard Vogel schon eine geraume Zeit mit dem Portrait beschäftigt, ist das jüngste Themengebiet, der Akt, nur mit wenigen Arbeiten belegt. Auch bei ihnen.. entwickelt sich diese Spannung zwischen fester menschlicher Form der Körper, das Gesicht und einer ungebunden lockeren Malerei. Doch treten noch andere Kriterien auf als in der Landschafts- oder Stillleben- Motivik: Das Verlangen nach Ähnlichkeit und nach körpergerechter Haltung. Beide sind Teil der Aufgabenstellung. Beide erlauben nur begrenzt das Spiel mit freien Farbverläufen; vielmehr wird der Linie als Form schaffendes Element und dem Weiß des Grundes als Volumen bildende Kraft, mehr sinnstiftende Bedeutung zugewiesen. Während in den Portraits eine fast asketische Strenge dominiert, hat Bernhard Vogel in den Akt-Motiven einen Zug Dramatik aufgespürt.
21 Bilder von Bernhard Vogel, das sind 21 unterschiedlich emotional gestimmte und zugleich kühl konzipierte Auseinandersetzungen mit der gegenwärtigen Aquarellmalerei., die nicht bei der Wiedergabe des Gegenstandes Halt macht, sondern auslotet, was mit Farben und differenzierten Farbsetzungen erreicht werden kann.
Jürgen Weichardt